Unterschiede bereits im ersten Lebensjahr
Immer wieder ist die Gewichtsentwicklung von Jungtieren ein großes Thema bei E-Mail Anfragen, in den Foren, ja allgemein bei Anfängern unseres schönen Hobbys. Leider gibt es auch bei diesem Thema Verfechter unterschiedlicher Sichtweisen.
Mich wundert manchmal wirklich, wer bei diesem Thema immer so eine extreme Position einnimmt. Wenn man "dahinter" schaut, dann findet man keine oder sehr wenig Erfahrung mit der Aufzucht von Jungtieren über mehrere Jahre hinweg.
Manchmal lächle ich in mich hinein, manchmal ärgert es mich aber auch richtig, dass Dinge nicht genau beleuchtet werden und Alles nur in "ein Schema" gepresst wird.
Diese 4 Tiere zeigen beispielhaft wie unterschiedlich Tiere sich entwickeln können und welche weitere Fakten bei einer richtigen Beurteilung eines "artgerechten" Wachstums zu berücksichtigen sind.
Die linke Spalte zeigt 2 Testudo (hermanni) hercegovinensis, die rechte Spalte 2 Testudo hermanni boettgeri. Die Tiere "oben" sind Schlüpflinge vom ersten Gelege, die Tiere "unten" vom dritten Gelege des Jahres 2005 aber jeweils vom selben Muttertier. Das Bild wurde am 4.3.2006 gefertigt.

In der Tabelle habe ich zusammengefasst, wie sich die Tiere bisher entwickelt haben - aktueller Stand vom 4.3.06. Nicht nur ein unterschiedliches Gewicht beim Schlupf trägt hierzu bei, sondern auch dass die größeren Tiere etwa 5 Wochen älter sind. Die Kleinen haben außerdem 5 Wochen länger in der Winterruhe verbracht. So ist es gut zu verstehen, wie der jetzige Gewichtsunterschied zu Stande kam.
Solange diese Faktoren in der Gesamtheit nicht bekannt sind, so ist eine Festellung aus der Ferne über ein zu schnelles Wachstum alles nur ein "dummes Gerede", entspringend aus einer Wichtigtuerei oder einfach "keiner Ahnung".
Kaufen Sie Tiere nur bei einem Züchter und fragen Sie nach möglichst viel Daten, vielleicht kann er Ihnen sogar das Schlupfgewicht nennen.
Ansonsten, bleiben Sie gelassen, füttern Sie Ihre Tiere artgerecht, wie auf meiner Seite beschrieben, halten Sie pro Woche einen Regen-/Fastentag ein, wiegen Sie Ihre Tiere regelmäßig und erfassen die Daten in einer Tabelle (z.B. der kostenlosen Datenbank) - ganz wichtig ist ein immer feuchtes Substrat.
Ich halte bei Tieren, die Anfang Juli bereits schlüpfen und im Herbst im Terrarium gehalten werden, eine Verdoppelung des Gewichts bis zur ersten Winterruhe für normal. Hier kann kein direkter Vergleich mit dem Naturbiotop gezogen werden. Bei Tieren, z.B. des sog. Drittgeleges, die normalerweise 6 Wochen später schlüpfen, sollte dies nicht der Fall sein. Hier wird bis zur Winterruhe nur eine geringe Gewichtszunahme als normal bezeichnet. Als ganz falsch sehe ich es, wenn Tiere im ersten Winter gar nicht in die Winterstarre gegeben werden.
Eine Verdoppelung des Gewichts jeweils in den nächsten Jahren ist in der Zwischenzeit anerkannt. Ab etwa dem 5. Jahr reduziert sich die Zunahme auf etwa 50% - näheres siehe o.g. Link.
Griechische Landschildkröte - Testudo hermanni
Ostrasse - Testudo hermanni boettgeri
Ich zeige hier drei Tiere, die alles Nachzuchten von meiner Zuchtgruppe sind. Es sind Tiere der Jahrgänge 1997, 1998 und 1999. Die Tiere wurden alle gleich aufgezogen und wurden unter den selben Bedingungen gehalten.

 | NZ 97: 136 Gramm - nach 35 Lebensmonaten
|  | NZ 98: 106 Gramm - nach 23 Lebensmonaten
|  | NZ 99: 105 Gramm - nach 11 Lebensmonaten |
Alle drei Tiere sind glatt gewachsen und hoch gewölbt, mit Ausnahme der NZ 99. Dies sehe ich allerdings als normal an, da das Höhenwachstum erst zu einem späteren Zeitpunkt richtig einsetzt und für uns optisch gut zu erkennen ist.
Das 97-er Tier ist nicht ausgesprochen langsam gewachsen. Das 99-er Tier war damals allerdings das größte dieses Jahrgangs.
Gewichtsentwicklung über 11 Jahre hinwegHier zeige ich die Gewichtsentwicklung im Vergleich Lebensalter in Monaten zum Gewicht in Gramm. Die Abstände liegen anfangs bei 2 bzw. 3 Monaten, ab dem Alter von 2 Jahren in 4 Monaten.


Westrasse - Testudo hermanni hermanniNun eine Übersicht von 3 Thh aus der Nachzucht 2000
Die Erklärungen zeigen, ob die Tiere im Terrarium oder Frühbeet gehalten wurden, ebenso Beginn und Ende der Winterstarrezeit.

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